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Ernesto Cardenal
Dietmar Schönherr
Alvaro Ramazzini
Fairwandlungen
Wasser ist Leben



   
 

Texte zu Wasser ist Leben

Geruch des Wassers
von John von Düffel, aus seinem Roman Vom Wasser.

Wenn nach einer langen Zeit der Trockenheit zum ersten mal wieder Regen fällt und wir hinaus auf die Straße treten, dann wirkt die Luft nicht nur frischer und gereinigt. Sie ist voll von Gerüchen. Der auf dem Asphalt verdampfende Regen, die getränkte Erde, das Gras, das Laub, alles fängt nach diesem Wasserguß wieder an zu riechen. Und ein großer Teil der Klarheit und der Frische, die wir nach einem Guß empfinden, rührt daher, daß uns das Wasser die Dimension des Geruchs zurückgegeben hat. Wir nehmen alles stärker, kräftiger, schärfer wahr, nicht nur weil die Farben satter, die Kontraste nicht mehr so blaß sind, sondern auch, weil wir die Dinge wieder riechen. Das Wasser hat uns von unserer Geruchsblindheit befreit. Und wir nehmen die Welt wieder mit allen fünf Sinne wahr.
Ich rieche das Wasser: grünes, wildes Wasser, das in einem breiten Strom wirbelnd dahinfließt. Noch bevor ich mich setzte und schaue, noch bevor ich das Wasser gesehen habe, rieche ich diese kühle Frische, diesen Atem des Wassers in der frühlingshaften Luft, rieche, wie das Aufschwappen der Wellen an den Rändern des Flußbettes die Steine dazu bringt, ihren gewölbe-ähnlichen Geruch auszuströmen, benetzt von Wasser, beschienen von einer blassen Frühjahrssonne. Und dann sehe ich, wie das Wasser mit leichtem Wellenschlag den Steinen in alle Poren kriecht und ihnen ihre volle Färbung wiedergibt und ihren eigenen Geruch, den Atem des Wassers und der Steine. Und ich setze mich ans Ufer und schaue aufs Wasser, das frühjahrsgrün dahinfließt, mit unzähligen knospenartigen kleinen Strudeln, die ineinander spielen, aufquellen und sich trollen.


José Lutzenberger
Europa stirbt am Amazonas

"Wenn ich in Deutschland wäre, ich würde mich nicht für Amazonien interessieren. Ich würde mich für Deutschland interessieren. Dort ist doch so vieles falsch. Was hier am Amazonas geschieht, ist doch nur ein Reflex dessen, was Ihr tut.
Daß wir hier Berge abbauen, Millionen Hektar Holzkohle verarbeiten, um Euch billige Eisenerze zu verkaufen, das brasilianische Volk mit sechs Milliarden Dollar verschulden, dann unseren Strom aus dem Balbina-Stausee am Amazonas unter Entstehungskosten an große multinationale Aluminiumhütten geben, damit die billiges Aluminium exportieren können; damit ihr drüben Bier und Coca-Cola aus Aluminiumbüchsen saufen könnt, die sofort auf der Müllhalde landen. Ihr habt also in Europa genug zu tun, denn bei euch ist doch die Welt falsch.
Und wenn ihr so weiter macht bis soviel Urwald gerodet ist, daß der Regenwald nicht mehr überleben kann, wird es kalt in Europa. Denn nur durch den Golfstrom habt ihr ein so milde Klima. Der Golfstrom aber beginnt in der Karibik, gespeist von der ungeheuren Kraft der Passatwinde, die sich über dem Amazonasgebiet aufgeheizt haben. Die Anden leiten diese feuchtheißen Luftströme um. Mit einer unvorstellbaren Wucht bringen sie den Golfstrom in Gang, der euer Klima bestimmt. Beteiligt ihr euch weiterhin am Kahlschlag Amazoniens, so wird es mehrere Grad kälter in Europa. Weizen wächst dann z.B. nicht mehr. Vielleicht ist es sogar der Beginn einer neuen Eiszeit.


 

Plakat
Siegfried Pater
Projekt: Brasilien
Textbeispiele