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Texte zu Wasser ist Leben
Geruch des Wassers
von John von Düffel, aus seinem Roman Vom Wasser.
Wenn nach einer langen Zeit der Trockenheit zum ersten mal
wieder Regen fällt und wir hinaus auf die Straße
treten, dann wirkt die Luft nicht nur frischer und gereinigt.
Sie ist voll von Gerüchen. Der auf dem Asphalt verdampfende
Regen, die getränkte Erde, das Gras, das Laub, alles
fängt nach diesem Wasserguß wieder an zu riechen.
Und ein großer Teil der Klarheit und der Frische, die
wir nach einem Guß empfinden, rührt daher, daß
uns das Wasser die Dimension des Geruchs zurückgegeben
hat. Wir nehmen alles stärker, kräftiger, schärfer
wahr, nicht nur weil die Farben satter, die Kontraste nicht
mehr so blaß sind, sondern auch, weil wir die Dinge
wieder riechen. Das Wasser hat uns von unserer Geruchsblindheit
befreit. Und wir nehmen die Welt wieder mit allen fünf
Sinne wahr.
Ich rieche das Wasser: grünes, wildes Wasser, das in
einem breiten Strom wirbelnd dahinfließt. Noch bevor
ich mich setzte und schaue, noch bevor ich das Wasser gesehen
habe, rieche ich diese kühle Frische, diesen Atem des
Wassers in der frühlingshaften Luft, rieche, wie das
Aufschwappen der Wellen an den Rändern des Flußbettes
die Steine dazu bringt, ihren gewölbe-ähnlichen
Geruch auszuströmen, benetzt von Wasser, beschienen von
einer blassen Frühjahrssonne. Und dann sehe ich, wie
das Wasser mit leichtem Wellenschlag den Steinen in alle Poren
kriecht und ihnen ihre volle Färbung wiedergibt und ihren
eigenen Geruch, den Atem des Wassers und der Steine. Und ich
setze mich ans Ufer und schaue aufs Wasser, das frühjahrsgrün
dahinfließt, mit unzähligen knospenartigen kleinen
Strudeln, die ineinander spielen, aufquellen und sich trollen.
José Lutzenberger
Europa stirbt am Amazonas
"Wenn ich in Deutschland wäre, ich würde mich
nicht für Amazonien interessieren. Ich würde mich
für Deutschland interessieren. Dort ist doch so vieles
falsch. Was hier am Amazonas geschieht, ist doch nur ein Reflex
dessen, was Ihr tut.
Daß wir hier Berge abbauen, Millionen Hektar Holzkohle
verarbeiten, um Euch billige Eisenerze zu verkaufen, das brasilianische
Volk mit sechs Milliarden Dollar verschulden, dann unseren
Strom aus dem Balbina-Stausee am Amazonas unter Entstehungskosten
an große multinationale Aluminiumhütten geben,
damit die billiges Aluminium exportieren können; damit
ihr drüben Bier und Coca-Cola aus Aluminiumbüchsen
saufen könnt, die sofort auf der Müllhalde landen.
Ihr habt also in Europa genug zu tun, denn bei euch ist doch
die Welt falsch.
Und wenn ihr so weiter macht bis soviel Urwald gerodet ist,
daß der Regenwald nicht mehr überleben kann, wird
es kalt in Europa. Denn nur durch den Golfstrom habt ihr ein
so milde Klima. Der Golfstrom aber beginnt in der Karibik,
gespeist von der ungeheuren Kraft der Passatwinde, die sich
über dem Amazonasgebiet aufgeheizt haben. Die Anden leiten
diese feuchtheißen Luftströme um. Mit einer unvorstellbaren
Wucht bringen sie den Golfstrom in Gang, der euer Klima bestimmt.
Beteiligt ihr euch weiterhin am Kahlschlag Amazoniens, so
wird es mehrere Grad kälter in Europa. Weizen wächst
dann z.B. nicht mehr. Vielleicht ist es sogar der Beginn einer
neuen Eiszeit.
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Plakat
Siegfried Pater Projekt:
Brasilien Textbeispiele |
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