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  Projekt Mosambik  
     
 

Rehabilitation von ehemaligen Kindersoldaten

500 Jahre dauerte die portugiesische Herrschaft in Mosambik. 10 Jahre brauchte es, die Kolonialmacht zu vertreiben. Dann begann die große Odyssee des Bürgerkriegs, der weitere 16 Jahre andauerte. Eine Million Menschen starben an diesem Krieg und den Folgen, die Entwicklung fast unmöglich machten. 1992 schlossen die beiden sich bekämpfenden Parteien FRELIMO und RENAMO Frieden in einem Land, das zu den härtesten »Weltsozial-Fällen« gehört. Mosambik hat nicht nur die sogenannten »Probleme der Entwicklung, der Strukturanpassung, der Entschuldung, des Erziehungs- und Bildungswesens«. Mosambik muß Folgen eines Krieges bewältigen, der nur deshalb so grausam geführt werden konnte, weil der Ost-West-Konflikt auf seinem Territorium mit Waffengewalt ausgetragen wurde. Dieser Krieg hinterließ eine Million Tote. Mehr als 300.000 Kinder wurden zu Waisen. Fast ein Drittel der 16 Millionen Einwohner mußte fliehen.

Ehemalige Kindersoldaten: In den Köpfen geht der Krieg weiter

In Mosambik lebt eine ganze Generation kriegstraumatisierter Jugendlicher, die in ihrer Kindheit nichts anderes als Grausamkeiten kennengelernt haben. Annähernd 10.000 Kinder zwang die RENAMO zum Kriegsdienst. Wieviele als Milizionäre bei der FRELIMO kämpften, darüber schweigen die Regierenden bis heute.

Das Ausmaß der psychischen Zerstörung und der damit einhergehenden Brutalisierung des sozialen Lebens in Mosambik. Die Erfahrungen des Raubens, Mordens und Plünderns haben bei den ehemaligen Kindersoldaten schwerwiegende psychische Störungen hervorgerufen und ein brutales Wertesystem geschaffen. In den Köpfen geht der Krieg weiter. Banale Meinungsverschiedenheiten werden häufig mit äußerster Aggressivität gelöst.

Reconstruindo a Esperança: die Rehabilitation der Kriegstraumatisierten

M edico international unterstützt in Mosambik ein Projekt zur Rehabilitation ehemaliger Kindersoldaten, das von der Partnerorganisation Reconstruindo a Esperança auf der Insel Josina Machel realisiert wird. Das Projekt umfaßt die Betreuung von 150 Jugendlichen, die als Kindersoldaten mißbraucht wurden. Es beinhaltet nicht allein die psychotherapeutische Betreuung der Jugendlichen, sondern auch deren soziale und wirtschaftliche Reintegration. Unter Leitung des in Deutschland ausgebildeten Psychologen Boia Efraime Junior initiiert ein Team von mosambikanischen Psychologen und pädagogischem Fachpersonal mit den Jugendlichen ein Programm zur Behandlung der traumatisierten Kindersoldaten, das in Afrika als beispielhaft gilt.

»Wenn bei kriegstraumatisierten Kindern, vor allem bei Kindersoldaten, die Menschen umgebracht haben während des Krieges, Symptome auftreten wie Alpträume, dann bedeutet das in dieser Kultur, daß der Jugendliche von den Geistern oder Seelen der Menschen, die er umgebracht hat, verfolgt wird. Und da versuchen die Heiler direkt Kontakt aufzunehmen mit den Verstorbenen und machen eigentlich, was wir in der westlichen Psychotherapie Katharsis nennen: Der Jugendliche muß alles noch einmal erleben, muß dem Verstorbenen erklären, warum er ihn getötet hat, ihn um Verzeihung bitten.«

Das Projekt auf der Ilha Josina Machel

Das Team von Reconstruindo a Esperança arbeitet überlegt und weitschauend: Man hat Erhebungen angestellt, Lehrer befragt, die Eltern, die Kinder und Jugendlichen selbst. Eigene Beobachtungen ergänzen das Verständnis der lokalen sozialökonomischen und kulturellen Sphäre. Im Rahmen der psychosozialen Ansätze kommt der Zusammenarbeit zwischen Psychologen, lokalem Gesundheitspersonal, religiösen Persönlichkeiten und traditionellen Heilern eine besondere Bedeutung zu: »Der Krieg verursachte ein psychisches Trauma nicht nur für den Einzelnen. Die gesamte Gemeinschaft leidet an dem vom Krieg hervorgerufenen Trauma. Die Heilkundigen und die religiösen Führer spielen in ihren Reinigungsritualen eine äußerst wichtige Rolle bei der Wiedereingliederung der jungen Ex-Soldaten in ihre Gemeinden. Die Zusammenarbeit der Psychologen mit den Heilkundigen erlaubt es, die Heilkraft der mosambikanischen Tradition in die Psychotherapie einzubeziehen.«

Die Projektziele: Es geht um die psychosoziale Rehabilitation junger Ex-Soldaten und –Milizionäre sowie anderer vom Krieg verstörter Kinder und Jugendlicher in einer ländlichen Gemeinde Mosambiks und schließlich um die Verbesserung der allgemeinen Lebensbedingungen der Bevölkerung.
Psychosoziale Rehabilitation bedeutet dabei sowohl die unmittelbare psychotherapeutische Hilfe für betroffene junge Menschen durch qualifiziertes Fachpersonal (in 1999 sollen ca. 30 Jugendliche Einzeltherapien erhalten), als auch die erweiterte psychosoziale Betreuung von ca. 150 Jugendlichen zusammen mit ihren Familien und Dorfgemeinschaften. Die 150 Kindern und Jugendlichen sind in fünf dezentralen Selbsthilfegruppen organisiert und werden von einem Netz von 23 lokalen Aktivistinnen und Aktivisten (»Barfuß-Psychologen«) unterstützt. Sie sind von zentraler Bedeutung, als Bindeglied und in der Vermittlung zwischen Fachpersonal, Betroffenen und sozialem Umfeld.

Neben den unmittelbaren psychosozialen Aspekten sind die »Activistas« auch für ein ambitioniertes Agrarprogramm verantwortlich, in dessen Rahmen auf über 20 ha Mais und Bohnen angebaut sowie Gemüsekulturen eingeführt werden. Dieses Agrarprogramm soll die persönlichen und ökonomischen Perspektiven der Jugendlichen und ihrer Familien verbessern und gleichzeitig einen Beitrag zur Stärkung des Selbstwertgefühls der Betroffenen leisten.

Die Älteren organisieren in Eigeninitiative Alphabetisierungskurse und für die Jüngeren werden zwei Schulen gebaut und ausgestattet. Die gesamte soziale Infrastruktur auf der Ilha war von der RENAMO zerstört worden und bislang mußte der Unterricht unter freiem Himmel stattfinden.
Spiel- und Gestaltungstherapeuten des Projektpartners organisieren mit Kindern vielfältige Aktivitäten zur Förderung ihrer Kreativität und Kommunikation (Theater, Tanz, Sport und Kunsthandwerk).

 

Spenden werden koordiniert von medico international
Spendenkonten:
Frankfurter Sparkasse, BLZ 500 502 01, Konto-Nr.: 1800
Postbank Köln, BLZ 370 100 50, Konto-Nr.: 6999-508

Nähere Informationen unter:
www.medico-international.de