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Lieder und Texte
wider den Luxus der Hoffnungslosigkeit

Konzertlesung mit Fulbert Steffensky und Grupo Sal

Die Hoffnung ist in unseren Tagen ein knappes Gut geworden. Wir hatten einige Jahre große Träume und haben geglaubt, die Zeit der Kriege ginge zu Ende. Wir haben geglaubt, die gerechte Verteilung der Güter käme zustande und der Hunger könne gebändigt werden. Wir haben uns getäuscht.


Wir haben geglaubt, Eltern und Großeltern, die ihre Kinder lieben, würden für den Erhalt der Atemluft streiten, für unverseuchten Boden und für trinkbares Wasser. Stattdessen ist die Apathie und das "wunschlose Unglück" (Dorothee Sölle) gewachsen. "Geschlagen ziehen wir nachhaus, unsere Enkel fechten's besser aus!" So haben die Bauern nach ihren Niederlagen im Krieg gegen die Feudalherren gesungen. Aber es kann sich keiner damit beruhigen, dass die Enkel ausfechten und ausbaden müssen, was uns misslungen ist.


Wie wehren wir uns gegen die eigene Apathie und gegen das erdrückende Gefühl der Ohnmacht?

Wie gehen wir mit unseren persönlichen Niederlagen um und was hilft gegen unsere eigene Wehleidigkeit?

Aber auch: wie stillen wir unseren großen Hunger nach dem Lebensgelingen von allen? Und wie werden wir Freigeister, die ihre Träume nicht vergessen?

Wir brauchen eine Hoffnung, die uns lehrt, schon jetzt zu leben, Wein zu trinken und zu lieben, während wir gleichzeitig das Leben dort vermissen, wo die Armen das Recht noch nicht gefunden haben und die Stummen nicht ihren Gesang. Die Hoffnung lehrt uns, sowohl Versöhnte zu sein, als auch uns nicht abzufinden mit der Ungetröstetheit der Welt; eine Bürgerin der Stadt und ein vaterlandsloser Geselle zu sein; eine Heimat zu haben und eine Heimat zu vermissen. Diese Art von widersprüchlicher Existenz mutet uns die Hoffnung zu.

Grupo Sal spielt eine Auswahl von Liedern aus Lateinamerika, die gleichermaßen die Spannung zwischen Hoffnung und Erlösung thematisieren. Selbst dort, wo die Liedtexte auf die Misere der Besitzlosen und Ausgegrenzten Bezug nehmen, ist die Musik Ausdruck von Energie und Lebensfreude. In den Liedern äußert sich die ungebrochene Würde von Menschen, die ihre Musik als ein Medium betrachten, Ohnmacht und Verzweiflung zu überwinden. Die Musik spricht die Sprache der Hoffnung.

Musik ist der "Ruf ins Entbehrte", kommentiert Ernst Bloch die Syrinxgeschichte. Was schon da ist, wird in seiner Güte und Schönheit besungen. Was noch nicht da ist und ersehnt wird, wird herbeigesungen. Wir spielen und singen schon, was wir noch kaum zu hoffen wagen.