Geboren am 20. Januar 1925 in Granada
(Nicaragua)
Literaturstudium in Managua (Nicaragua), Mexiko und
New York. Im Juli 1950 kehrte er nach Nicaragua zurück
und widmete sich als Herausgeber und Autor literarischen
Arbeiten. ("Die Stunde Null" in der Sammlung
"Gebet für Marilyn Monroe" u.a.)
1954 beteiligte er sich aktiv an der "April-Revolution"
gegen Somoza.
1957 wurde er Novize des Dichtermönchs Thomas Merton
in Gethsemani (Kentucky/USA)
1959 verließ er das Kloster und studierte in Guernavaca
(Mexiko) Theologie.
1961 übersiedelte er nach Kolumbien, um die Studien
fortzusetzen und um als Lehrer in einem Priesterseminar
zu arbeiten. Hier entstanden die "Psalmen",
die zu den wichtigsten Werken der lateinamerikanischen
Poesie dieses Jahrhunderts zählen.
Am 15. August 1965, wurde Cardenal in Managua (Nicaragua)
zum Priester geweiht. 1966 gründete er die christliche,
klosterähnliche Kommune Solentiname als Ort der
Besinnung, der Poesie und der Solidarität mit den
Ärmsten der Armen.
Seit der Auflösung der Kommune 1977 lebte Cardenal
im Exil und arbeitete in enger Verbindung mit der Sandinistischen
Befreiungsfront FSLN im Widerstand gegen das Somoza-Regime.
Am 19. Juli 1979, dem Tag, an dem das Volk seinen Triumph
feierte, wurde Ernesto Cardenal zum Kulturminister der
neuen sandinistischen Regierung Nicaraguas ernannt,
bis 1987 das Ministerium aus Kostengründen aufgelöst
werden musste.
1980 wurde ihm der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels
zuerkannt.
Im April 1982 sorgte Cardenal für eine theologische
Kontroverse, als er bei einem Besuch in Ostberlin erklärte,
er sehe in der Auferstehung keinen individuellen sondern
einen kollektiven Akt, der mit der Befreiung aller Menschen
identisch sei und verstehe das Reich Gottes als "vollendete
humanistische Gesellschaft". Im September des gleichen
Jahres nahm er an Veranstaltungen des "Katholikentags
von unten" in Düsseldorf teil. Einige Sympathien
verscherzte sich Cardenal, als er sich im März
1983 beim Besuch des Papstes auf die Seite der protestierenden
Armen stellte. Anfang 1985 wurde er vom Vatikan von
der Ausübung des Priesterdienstes suspendiert.
Cardenal blieb - und ist bis heute - Mitglied der "Assamblea
Sandinistia", dem größten und wichtigsten
Organ der Revolution. Er wohnt weiterhin in Managua,
reist aber häufig auf die Solentiname-Insel. Er
veröffentlichte 1989 das umfangreiche lyrische
Werk "CanticoCosmico" in Mexiko, ein Werk,
das er noch nicht als abgeschlossen betrachtet. Er befasst
sich viel mit seinen Holzskulpturen und reist häufig
zu Lesungen in die USA und nach Europa. Er ist, zusammen
mit Dietmar Schönherr, Präsident der Kulturstiftung
"Casa de los tres mundos" in Granada (Nicaragua).
Seine wichtigsten literarischen Werke in deutscher Sprache:
"Das Evangelium der Bauern von Solentiname"
"Das Buch von der Liebe"
"In der Nacht leuchten die Wörter"
"Die ungewisse Meerenge"
"Wortseelen - Waldmenschen"
"Den Himmel berühren"
"Verlorenes Leben" (Erinnerungen Bd. 1,
1998)
"Die Jahre in Solentiname" (Erinnerungen
Bd. 2)
"Im Herzen der Revolution" (Erinnerungen
Bd. 3, 2004)
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